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Spieglein, Spieglein in der Jury-Hand

Die strahlenden Gewinner
Große Aufregung, neugierige Zuschauer, schön zurecht gemachte Männer und Frauen in bunten schillernden Abendkleidern und edlen Herrenanzügen: am 16. Januar wurden in einem Kasseler Einkaufszentrum Miss und Mister Westdeutschland 2015 gekürt.
Kleine Versprecher und gefrorene Gesichtszüge bei so mancher Kandidatin in der ersten Vorstellungsrunde. "Jetzt habe ich total vergessen, was ich sagen wollte", lächelt eine der Bewerberinnen um die Krone der Miss Westdeutschland verlegen und erzählt sodann von ihrer Liebe zum Kochen, die sie sich mit ihrem Vater teilt. „Ich glaube, ich kann es auch ganz gut. Nach meinem Auszug hat mein Vater jedenfalls deutlich abgenommen.“ Deutlich ist auch die Aufregung vielen Kandidaten und Kandidatinnen ins Gesicht geschrieben. Andere haben auf diesem Parkett schon einige Erfahrungen gesammelt und wirken wesentlich entspannter: „Die Misswahl ist zu meinem Hobby geworden. Ich bin bereits seit fünf Jahren dabei, um mir meinen Mädchentraum zu erfüllen – ein Mal an der Wahl zur Miss Germany teilzunehmen", berichtet eine der Teilnehmerinnen während der ersten kurzen Vorstellungsrunde.
Doch bevor es damit losging, mussten sich die Zuschauer jedoch erst einmal gedulden. Schon früh sind die Sitzbänke im Erdgeschoss des Kasseler Einkaufszentrums belegt. Aufgeregte Mütter und Väter, Geschwister und Freunde warten schon Stunden vorher gespannt auf den Auftritt der schönen Damen und Herren. Langsam sammeln sich immer mehr Menschen. Auch in der ersten und zweiten Etage sieht man Zuschauergruppen, die auf den Beginn der Show warten. Alle schauen sie auf eine in der Mitte aufgebaute Holzbühne. Diese ist zu einer Seite offen und auf einen langen mit Gläsern und kleinen Wasserflaschen gedeckten Tisch zulaufend. Zur anderen Seite ist sie durch eine weiße Wand mit einer Türöffnung verschlossen, die eine kleine Treppe verbirgt. In schwarzen großen Buchstaben ragt auf der Holzbühne ein gekrönter Schriftzug heraus: "Miss Germany.de".
Um 14:50 Uhr ertönt eine weibliche Stimme. Sie teilt mit, dass die Veranstaltung pünktlich beginnen werde. Nun füllt sich auch der lange Tisch. Die Jurymitglieder nehmen ihre Plätze ein. Auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer versammeln sich bei der Treppe hinter der weißen Wand. Aufgeregt zupfen sie an ihren Haaren und ihren Kleidern, drücken der Mutter im Publikum schnell noch etwas in die Hand und lassen mit dem Smartphone ein Foto machen. Schließlich ertönt Musik und Ines Klemmer, die Moderatorin, betritt in einem blauen Hosenanzug mit einem glitzernden Peillattenoberteil die Szene. Sie stellt die Jury vor, die unter anderen aus Vivien Konca, der amtierenden Miss Germany, dem indischen Schauspieler Prashant Prabhaka und Ralf Klemmer, dem Geschäftsführer der Miss Germany Corporation, besteht. Anschließend dürfen auch die Kandidaten auf die Bühne.

„Oh man, du hast gar kein‘ Geschmack!“
Die 23 jungen Frauen und die zehn jungen Männer treten paarweise auf: zunächst ein Teilnehmer und eine Teilnehmerin mit derselben Erkennungsnummer, anschließend zwei Damen mit aufeinanderfolgenden Nummern und zum Schluss die letzten drei Kandidatinnen.
Sie präsentieren sich mit einem breiten Lächeln der Jury, den Fotokameras der Medien und den Smartphones der Zuschauer und nehmen schließlich vor der weißen Wand ihren Platz ein. Die Frauen tragen bunte, schillernde Abendkleider, die Herren Anzug und Krawatte.
Die Teilnehmer stellen sich der Jury
Der erste Durchgang beinhaltet auch ein kurzes Interview. Die Kandidaten treten an die Moderatorin heran und beantworten Fragen zu ihrem Namen, Alter, Herkunft sowie Beruf und Hobbys. Die meisten sind Studenten und Auszubildende. Die jüngste Teilnehmerin ist siebzehn Jahre alt, der älteste Teilnehmer "frischgebliebene dreißig", wie er selbst behauptet. Ihre Hobbys drehen sich um Sport, Reisen, Freunde und Familie, Fotografie und Mode. Viele sind engagiert in sozialen Projekten. Nach dem Interview laufen die vorgestellten Kandidaten zur Jury. Einige genießen sichtlich diesen, ihren Moment. Sie schreiten souverän über die Bühne und setzen ihre vom Kleid umschmeichelten Hüften gekonnt in Szene. Sie nehmen sich Zeit und posieren für die Zuschauer und die Jury, schieben die eine oder andere Schulter nach vorn, stemmen die Arme in die Hüften und präsentieren den Blitzlichtern ihr schönstes Lächeln. Andere gehen schnell, führen die Posen nur kurz und vorübergehend aus und scheinen froh zu sein, wenn sie sich wieder auf ihrer Position eingefunden haben. Man kann ihnen die Anspannung ansehen. In den Reihen der neugierigen Zuschauer finden sich jung wie alt. Sie tuscheln, diskutieren, bewerten. "Die ist hübsch", flüstert ein kleines Mädchen dem anderen zu. "Oh man! Du hast gar kein‘ Geschmack!", antwortet diese. Die Moderatorin mit dem kecken Kurzhaarschnitt bittet immer wieder um einen Applaus für die Kandidaten. Dieser fällt jedoch eher gering aus. Nur bei den wenigen Teilnehmern, die ihren eigenen „Fanclub“ mitgebracht haben, pfeifen, schreien, und klatschen dessen Mitglieder lauthals. Irgendwann weigert sich die Moderatorin mit dem Interview anzufangen, wenn die Teilnehmer nicht hinreichend begrüßt werden. Die Zuschauer fügen sich.

„Man ist ja doch stolz“
Nach vierzig Minuten ist die Vorstellungsrunde vorbei. Die Kandidaten machen sich auf den Weg zum Umkleideraum. Es folgt eine zwanzigminütige Pause: "Gehen Sie noch einen Kaffee trinken. Geben Sie noch etwas Geld aus!", fordert die Moderatorin die Zuschauer auf. Und als ob sie dieser Aufforderung nachkommen wollte, löst sich die Menge auf. Nur die Bänke in der „Pole Position“ bleiben besetzt. "Meine Tochter ist Miss Kaiserslautern", erzählt eine stolze Mutter. "Sie wollte gern teilnehmen und mal schauen, wo es hinführt. Ich unterstütze sie, weil es ihr Spaß macht. Ihr etwas zu verbieten, kommt für mich nicht in Frage. Und man ist ja doch stolz." Dann beginnt auch schon der zweite Durchgang. Es ertönt laute Musik und die Moderatorin erscheint wieder auf der Bühne, während die Kandidaten und Kandidatinnen an der verdeckten Treppe bereitstehen. Nervös ziehen die Damen an ihren knapp geschnittenen, schwarzen Badeanzügen. Die Herren, barfuß in Jeans und mit freiem Oberkörper, machen ein Paar Liegestütze, um die Brustmuskeln noch schnell zu stimulieren. Hier und da kommt eine kleines Tattoo zum Vorschein. Wie auch im ersten Durchgang drehen die Kandidaten mehrere Runden, posieren vor der Jury, den Kameras und dem Publikum. Bei dieser Runde gibt es deutlich mehr Interessierte. Die Bühne ist vollständig umringt und auch die oberen Etagen bieten zahlreichen Neugierigen einen schönen Ausblick. Schnell ist es jedoch vorbei und auf den zwanzigminütigen Durchgang folgt wieder eine vierzigminütige Pause.
Die Zuschauer verschwinden erneut in den Geschäften und Cafés. Um siebzehn Uhr finden sich jedoch alle Interessierten wieder dort ein, wo sie eine gute Sicht auf die Krönung des Misters und der Miss Westdeutschland 2015 erhaschen können. Die Moderatorin kündigt ein sehr knappes Ergebnis an. Die Kandidaten betreten in Abendkleidung mit der bereits bekannten Choreografie die Bühne. Sie gehen nach vorn zum Jurytisch, posieren in der Mitte für die Zuschauer, tauschen anschließend die Plätze und nehmen ihre Position vor der weißen Wand ein. Die Moderatorin bittet Sarah Stroh, die amtierende Miss Westdeutschland, aus dem Publikum auf die Bühne.

Dem Traum ein Stück näher
Schließlich betritt auch Vivien Konca, die amtierende Miss Germany, die Szene und stellt sich in einem Interview vor: "Dieses Jahr war wunderschön. Ich durfte die unterschiedlichsten Dinge tun. Awards und Urkunden verteilen, an unterschiedlichen Events teilnehmen und vieles mehr." Die amtierende Miss Germany erzählt über das Miss Germany Kamp, welches dieses Jahr in Ägypten stattfindet: "Die Mädchen erwarten viele Fotoshootings, Essen, Spaß, Karaoke. Allgemein gesagt ein fröhliches Beisammensein." Auf die Frage nach ihren Plänen berichtet Vivien Konca, sie möchte ein solides Studium abschließen, jedoch medial im Rennen bleiben. Genaueres lässt sie sich nicht entlocken.
Nun, nach zwei Stunden mit zwei langen Pausen, kommt endlich der entscheidende Moment. Die Moderatorin verkündet die Namen der Gewinner. Zuerst die Drittplatzierten, anschließend die zweiten auf dem Siegertreppchen und dann die Gewinner: Katharina Laible (20) aus Hattersheim und Florian Molzahn (30), der amtierende Mister Hessen aus Rottgau. Fassungslos und strahlend vor Freude kommen die beiden in der Mitte zusammen. Miss Germany und Miss Westdeutschland legen den Siegern die Schärpen um und setzen der Siegerin die Krone auf.
Katharina und Florian
Alle Gewinner beglückwünschen sich herzlich, während die Moderatorin die zahlreichen Preise auflistet, die die frisch gekürten Mister und Miss Westdeutschland erwarten: Eine professionelle Zahnreinigung und Bleaching im Wert von 500 Euro sowie zwei Tageskarten für den Europapark in Rust. Miss Westdeutschland bekommt außerdem ein dreiteiliges Taschen-Set, Schuhe, Bademode, eine Handyuhr und ein Schmuckgutschein. Der Hauptpreis ist jedoch die Qualifikation für die Wahl des Misters und der Miss Germany. Während Florian sich noch etwas länger vorbereiten kann, heißt es für Katharina schon am 28. Februar erneut fiebern. Schnell rücken die Gewinner in den Mittelpunkt der anwesenden Medienvertreter. Die Bürokauffrau und der Eventmanager lassen sich fotografieren und geben Interviews während die anderen Teilnehmer sich langsam zurückziehen. Die Enttäuschung steht ihnen ins Gesicht geschrieben. Auch die Zuschauer verlassen ihre Plätze. Die Menschenmenge löst sich auf. Die Jurymitglieder nutzen die Bühne für einige Fotos. Nach kurzer Zeit sind auch sie verschwunden. Und als ob nichts gewesen wäre, bleibt die leere Bühne allein zurück. Sie fängt auch weiterhin die neugierigen Blicke der Passanten ein und teilt ihnen mit, dass die Welt nun einen Mister und Miss Westdeutschland 2015 gekürt hat.

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