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Wirtschaft vor Gesundheit

In der FR vom 7.12. lese ich, dass eine Petition von 41.000 Fluglärmopfern im Rhein-Main-Gebiet vom Berliner Petitionsausschuss abgelehnt wurde. Priorität habe das wirtschaftliche Wachstum (fr-online.de). Man habe natürlich auch Verständnis für das Anliegen...
...aber schließlich habe sich in den vergangenen Jahren schon viel gebessert, heisst es aus dem Ausschuss.

Ich habe da ein Projekt:
Ich möchte 15 km westlich von Kassel einen Chemiebetrieb errichten, in dem eine extrem wichtige Legierung von Seltenerd-Metallen für die Konsumelektronik hergestellt werden soll. Das Problem ist, dass die verfügbare Technologie mit einer permanenten Freisetzung hochgiftiger Partikel verbunden ist, die sich derzeit mit keinem Verfahren verhindern lässt. Statistisch gesehen wird sich die Anzahl der Lungenkrebs-Fälle im Kasseler Becken um ca. 10 Prozent erhöhen. Die Produktion dieses sehr gesuchten Stoffes ist allerdings hoch profitabel und soll 100 neue Arbeitsplätze schaffen.

Nun die Frage: Wird mein Bauantrag genehmigt?

Ein Blick nach Frankfurt zum Flughafen hilft da vielleicht: Die Schäden an Mensch, Bausubstanz und Umwelt sind nachweislich da, von den ursprünglich versprochenen 250.000 Jobs sind es mal eben 10 % (überwiegend Verlagerungen aus dem Umland), die Bedarfs- und Wachstumsprognosen sind allesamt nicht eingetroffen. Die Baugenehmigungen für neue Landebahn und drittes Terminal wurden erteilt. Also alles rechtens.

Gleich um die Ecke: Kassel Calden. Hier gibt's zwar keine Herzinfarkte durch Fluglärm, aber auch keine richtigen Jobs und null Einnahmen für die Gesellschafter. Im Gegenteil: der Zuschussbedarf zusätzlich zu den versenkten 271 Millionen liegt bei über 10 Millionen Euro pro Jahr. Auch hier alles auf Basis einer genehmigten Planung. Also auch hier alles rechtens.

Und nicht zu vergessen: Eine Firma wie K+S darf, weil ihr alles andere wirtschaftlich nicht zumutbar ist, Werra und Weser bis zur Nordsee für die nächsten ca. 1000 Jahre als Salzentsorgungs-Kanäle nutzen. Dazu das Trinkwasser im Untergrund für ähnliche Zeiträume so versalzen, dass es ungenießbar ist. Und sie darf weiterhin hunderte Meter hohe Kochsalzberge aufschütten, weil das billiger ist, als das Salz wieder dahin zu schaffen, wo es her kommt oder es zu reinigen und als Speiseslaz zu verkaufen. Für die neue Halde darf sogar Wald gerodet werden! Mit dem Segen einer schwarz-grünen Landesregierung. Dann wird das ja seine Richtigkeit haben.

Da wird sich doch niemand meiner Chemiefabrik in den Weg stellen (den ich ggf. ja auch kaufen kann), oder? Gut dass ich gleich in größerem Maßstab plane. Als kleiner Gewerbebetrieb würde ich sofort an den Immissionsschutz-Auflagen scheitern.

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