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Bürgermeister oder Meisterbürger?

Neulich wurde dem Schreiber dieser Zeilen mit der guten alten analogen Post ein Ansinnen seiner Stadt übermittelt und mitgeteilt, es sei quasi eine unverzichtbare Stütze unserer parlamentarischen Demokratie.
Noch trunken von diesem Ritterschlag zum „Meisterbürger“ erklärte er sich nach einen kleinen Schriftwechsel mit dem Wahlamt bereit, am 30. Juni einer von 1600 bis 1800 Ehrenamtlichen zu sein, die ihre Stadt unterstützen, um nach 1100 Jahren den ersten Bürgerentscheid kompetent über die Bühne zu bringen.
Nach kurzer Trunkenheitsphase meldete sich jedoch der Schreiberverstand wieder, begann sich zu wundern und zählte eins und eins zusammen.
Wer nämlich auf dem Wahlhelfer-Ticket reist, kommt aus der Nummer so schnell nicht wieder raus. Was in der Konsequenz bedeutet, dass in diesem Jahr dann noch ein weiterer Termin für solide 30.- Euro „Erfrischungsgeld“ für einen ganzen Tag inklusive Auszählen nach Lokalabschluss auf der Agenda steht: die Wahl zum 18. Deutschen Bundestag, die am 22. September gleichzeitig mit der Landtagswahl stattfinden wird.
In diesem Zusammenhang kam der Verstand auf die unverschämte Idee, es hätte doch ein guter Plan sein können, diese Wahlveranstaltungen am selben Termin durchzuführen: um den vielen Ehrenamtlichen einen freien Juni-Sonntag zu schenken und nebenbei gleichzeitig noch einen Betrag im sechsstelligen Bereich zu sparen, wo das doch so dringend nötig ist, wie uns die vom Volke gewählten Vertreterinnen und Vertreter immer wieder zu versichern wissen.
Wie aus Kreisen der Stadtregierung verlautete, wäre die diesbezügliche Kuh vom Eis gewesen, hätten die Verantwortlichen die Behandlung des Tagesordnungspunktes „Bürgerentscheid zum Erhalt der Stadtteilbibliotheken“ nur eine Stadtverordnentenversammlung später angesetzt. Andere sprechen sogar von grober Missachtung der Geschäftsordnung nebst den Bestimmungen der hessischen Gemeindeordnung. Will sagen: Die Kuh sollte wohl auf dem Eis bleiben.
Von ihrem Erfrischungsgeld können sich die vielen Wahlhelfer bei sommerlichen Temperaturen dann hoffentlich selbiges kaufen und beim verzückten Verzehr der kühlen Süßigkeit über eine Weisheit nachdenken, die der Zeilenschreiber mal auf einer Journalistenfortbildung hörte: „Wenn du mehr als dreimal fragst, landest du unweigerlich bei der Systemfrage!“

Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Vertiefen der gewonnenen Einsichten!
Stellen Sie mal wieder die Systemfrage! Zeigen Sie den Bürgermeistern, wer die Meisterbürger sind! Und bleiben Sie stark!

Klaus Schaake, Herausgeber


P.S.: Wer Rechtschreibfehler findet, liefere sie in den Stadtteilbibliotheken ab!

*Bei diesem Text handelt es sich um das Editorial des aktuellen StadtZeit Kassel Magazins, No. 56, das ab Mittwoch, 19. Juni in Umlauf geht.

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