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Leckt mich mit eurer Ordnung!

Liebe Versicherungsleute,
heute hab' ich mich auf eurem Plakat gesehen. Ich, der Macher, mit einem Ast in der Hand, das Haus mit Mutti und Töchterchen im Hintergrund.
Fast wie im richtigen Leben...
Da haben wir uns nochmal verdammt am Riemen gerissen, damit die Bilder einigermaßen nach heiler Familie aussehen. Dabei läuft es bei uns schon jahrelang total beschissen. Jetzt, vor die Plakate geklebt und das Fotohonorar für die Hypothek überwiesen ist, kann ich es euch ja sagen.
Heute weiß ich nicht mehr, was nicht damals geritten hat, mich auf den Kauf dieses Grundstückes und zum Bau des Hauses in diesem gottverdammten Neospießer-Stadtteil einzulassen, wo ich heute am liebsten nicht mehr tot über dem Zaun hängen wollte.
Naja, bin ja mittlerweile auch ausgezogen, nachdem Mutti mitbekommen hat, dass ich die Nachbarin gevögelt habe.
Ihr könnt euch das Drama vorstellen, als das rauskam.
Aber was wollte ich machen. Bei uns lief in der Horizontalen einfach gar nichts mehr, Mutti hat sich nach und nach total gehen lassen. Und Mann, war die Nachbarin scharf...

Im Grunde hab' ich es genauso gemacht, wie ihr es auf eurem Plakat zeigt: Haus gebaut, Baum gepflanzt, Familie gegründet.
Damit ich das kleine, beschissene Fertighaus auf seinem Minigrundstück abbezahlen kann, muss ich den absolut langweiligsten Fuck-Job machen. Könnt ihr euch vorstellen, wie mich das ankotzt?
Und die Kinder gehen mir eigentlich auch nur noch auf den Sack.
Mutti wollte natürlich, dass die es einmal besser haben, als wir. Dafür mussten wir einen Zweitwagen anschaffen, damit sie die Chauffeuse zur Nachhilfe, zum Geigenunterricht, zum Kindertennis und zu was was ich noch für einen Scheiß geben kann, weil in dieser Stadtrandeinöde, in die wir gezogen sind, nur einmal in der Stunde der Bus kommt. Wenn überhaupt.
"Und wie sieht das denn aus, wenn ich als einzige mit dem Bus fahre, während die anderen Frauen von ihren Männern ein Auto geschenkt bekommen", musste ich mir eines Tages anhören. Und klar: Die Kinder sind natürlich auf der Waldorfschule.

Wenn ich dann von der Arbeit komme erzählt mir Mutti von den ganzen Errungenschaften, die sich die Nachbarschaft wieder zugelegt hat, während ich mich einfach nur noch ablegen und meine Ruhe haben will. "Und guck mal, die Schmidts, bei denen läuft es doch echt gut."
Wenn die wüsste, dass der alte Schmidt, diese geile Sau, schon seit Jahren was mit seiner Sekretärin und noch einer anderen laufen hat. Mit so was darf ich ihr natürlich nicht kommen. Passt nicht ins Weltbild in diesem kleinen, sympatischen Familienidyll.
Mann, wie mich das ganze Gepose in dieser Macchiatomütteroase und die Konsumgeilheit unserer eigenen Brut ankotzt.

Und wie lange habe ich mir eingeredet und einreden lassen, ausgerechnet das wäre mein Traum vom Leben. Jetzt stehe ich vor einem Trümmerhaufen, darf nur noch abdrücken und meine Kinder darf ich auch nur noch alle 14 Tage sehen. Ich hätte keinen guten Einfluss auf die Kleinen hat diese Tussi vom Jugendamt gemeint. Und Mutti wollte mit mir zum Familientherapeuten. Scheißweiber.

Zusammen alles wieder in Ordnung bringen. Zusammen mit mir. Das ganze Leben.
Euch haben sie doch uns Gehirn geschissen!

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Kommentare

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Igor Warneck am :

Danke für diesen wundervollen, ehrlichen und herzerfrischen Beitrag!

Endgeil!

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