Skip to content

"Kunst – Leben – Liebe – müssen eine Einheit sein!"

Elke Mascha Blankenburg (Foto: Clärchen Baus-Mattar)
Elke Mascha Blankenburg (Foto: Clärchen Baus-Mattar)


Die Musikerin und Publizistin Elke Mascha Blankenburg ist gestorben

Die Musikerin, Dirigentin, Kantorin, Chorleiterin und Gründerin des „Internationalen Arbeitskreises Frau und Musik“, Elke Mascha Blankenburg, ist am 9. März 2013 im Alter von 69 Jahren in einem Kölner Hospiz gestorben. Elke Mascha Blankenburg widmete ihr Leben ihrer größten Passion, der Musik. Sie war es, die das große Potential der Kompositionen von Fanny Hensel geb. Mendelssohn entdeckte, einige von ihnen erstmalig aufführte und der Welt zugänglich gemacht hat. Sie rief den „Internationalen Arbeitskreis Frau und Musik“ ins Leben, um Werke von Komponistinnen aus Vergangenheit und Gegenwart zu sammeln, zu erforschen und aufzuführen. Als künstlerische Leiterin veranstaltete sie mehrere Komponistinnen Festivals und mit dem Clara Schumann Orchester Köln gründete sie das damals einzige professionelle Frauensymphonieorchester, mit dem sie Werke von Komponistinnen der Klassik, Romantik und der Moderne aufführte.
Für ihre vielfältigen beruflichen und ehrenamtlichen Verdienste bekam Elke Mascha Blankenburg 1999 das Bundesverdienstkreuz am Bande durch den Bundespräsidenten Roman Herzog verliehen. Des weiteren erhielt sie den Kulturpreis „Premio Domenico Rea“ für ihr Lebenswerk und den Kulturpreis „Die besondere Frau“ der Firma Avon für die Wiederentdeckung und Uraufführung der Werke von Komponistinnen.

Für den Furore Verlag arbeitete Elke Mascha Blankenburg als Herausgeberin. Sie initiierte maßgeblich die Veröffentlichung bisher unbekannter Werke insbesondere von Fanny Hensel: Hero und Leander, eine dramatische Szene für eine Singstimme mit Begleitung des Orchesters, und das Oratorium nach Bildern der Bibel, Orgel- und Vokalmusik wie das Prelude in F-Dur für Orgel, die Ouverture in C-Dur, die Weltlichen a-cappella-Chöre von 1846 und auch Barbara Strozzis Il Primo Libro de Madrigali. Mit der Verlegerin Renate Matthei verband sie eine jahrzehntelange Freundschaft.
Die Gründung des Arbeitskreises Frau und Musik initiierte Mascha Blankenburg mit einem Aufruf in der Zeitschrift Emma im September 1977. Dort erzählte sie von den vielen Komponistinnen, die sie nach einjähriger intensiver Suche gefunden hatte, und appellierte an Musikerinnen, Musikwissenschaftlerinnen und Interessierte, doch einmal alle Schätze zusammenzutragen. Daraus entstand der „Internationale Arbeitskreis Frau und Musik e.V.“, der inzwischen mit institutioneller Förderung durch das Land Hessen und die Stadt Frankfurt das weltweit größte Archiv zum Thema mit mehr als 20.000 Medieneinheiten in Frankfurt unterhält.

Die Musik bestimmte früh ihr Leben: Sie wurde am 15. Dezember 1943 in Mindelheim geboren. Bereits mit sechs Jahren erhielt sie Klavierunterricht bei ihrer Mutter Anneliese Feldmeyer. Die Violine kam hinzu. Das Ballett war allerdings ihre größte Leidenschaft. „Eigentlich wollte ich Tänzerin werden. Heute kommt mir das Körpertraining im Ballett beim Dirigieren sehr zugute“, so Mascha Blankenburg. Der Vater, Journalist und Schriftsteller, brachte ihr die Liebe zur Kirchenmusik nahe. Als Chorsängerin in verschiedenen Chören und Geigerin im Heidelberger Universitätsorchester sammelte sie erste Erfahrungen in der Ensemblearbeit. Von 1963 bis 1971 studierte sie Kirchenmusik, Chor- und Orchesterleitung an den Musikhochschulen in Heidelberg, Schlüchtern und Köln, sowie bei Hans Swarowsky in Wien. Während ihres Studiums komponierte sie Bühnenmusiken für das Heidelberger Zimmertheater, war Sängerin in einer Band und schrieb Musikkritiken für Presse und Rundfunk.
Die Schwierigkeiten für Mascha Blankenburg als Pionierin im Dirigat skizzierte Ingrid Strobl im November 1980 in der Emma: „Als Mascha mit 19 Jahren ankam und sagte: ‚Ich will Dirigentin werden’, reagierte ihr Vater nicht eben ermutigend: ‚Wenn du unbedingt unglücklich werden willst, bitte, dann werde Dirigentin.’ ‚Er hat das völlig richtig eingeschätzt. Als Frau hast du auch keine Chance,’ so Mascha.“ Nach Abschluss des Studiums als ‚hauptamtlicher Kirchenmusiker’ ging sie nach Köln, um ihre Ausbildung zur Dirigentin zu vollenden. Allen Schwierigkeiten zum Trotz nahm sie an internationalen Meisterkursen teil. „Da habe ich gelernt, was Konkurrenz ist, und was es heißt, Frau und Dirigentin zu sein.“ Dramatischer Höhepunkt war der Besuch eines Meisterkurses als einzige Frau unter 70 Männern. „Sie tritt ans Pult, dirigiert die ersten Takte, da stürzt der Leiter des Kurses auf sie zu und zerrt sie vom Pult. Nach dieser Demütigung erklärt er ihr: ‚Wie können Sie es wagen, hier qualifizierten Männern den Platz wegzunehmen! Sie sind eine Null, sie gehören in die Küche!’ Jeden Tag stand sie dem Pascha auf der Matte und bestand darauf, die gleiche Chance wie alle anderen zu haben. Ende der Geschichte: Sie landete unter den drei besten Absolventen des Kurses und dirigierte im Abschlusskonzert. ‚Da kannst du sehen, dass Talent allein noch lange nicht reicht. Mindestens ebenso wichtig sind Ausdauer und Hartnäckigkeit.’ Mascha lernte früh, dass eine Frau dreimal so stark sein muss wie ein Mann, um es in diesem Machtberuf zu etwas zu bringen.“ [Strobel, Emma] Dirigentinnen hatten in den frühen 1980er Jahren keine Chance auf ein Engagement. Folglich gründete Mascha Blankenburg eigene Orchester und Ensembles: die Kölner Kurrende, das bereits erwähnte Clara Schumann Orchester und das Leonarda Ensemble. Das Letztgenannte ist ein Solistenensemble, mit dem sie vorwiegend Vokalwerke aus Renaissance und Barock von Komponistinnen zur Uraufführung brachte, Konzerte im In- und Ausland gab (u. a. im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie) und zu Festivals (u. a. Wratislavia Cantans in Polen) eingeladen wurde. Ein musikalischer Höhepunkt war am 27. Mai 1984 die Uraufführung des Oratorium nach Bildern der Bibel von Fanny Hensel.

In den achtziger Jahren veranstaltete Mascha Blankenburg in Köln und Bonn als künstlerische Leiterin das erste „Internationale Komponistinnen Festival“ auf deutschem Boden. Weitere Komponistinnen-Festivals und ein „Internationales Orgel-Festival“ folgten. Darüber hinaus initiierte sie den „Fanny-Mendelssohn-Wettbewerb für Komposition“.
1999 erlitt sie einen Gehörsturz. Der sich einstellende Tinnitus machte es ihr unmöglich, ihren Beruf als Dirigentin weiter auszuüben. Seither arbeitete sie als Publizistin und veröffentlichte u. a. 2003 das Buch „Dirigentinnen im 20. Jahrhundert“. Seit 2007 lebte Mascha Blankenburg in Berlin. Im Gmeiner-Verlag erschien im Juli 2011 ihr erster Roman: „Tastenfieber und Liebeslust“, über den Thomas Hackenberg im WDR sagte: „Selten hat es so viel Spaß gemacht, in fremder Post zu schnüffeln!“

Mascha Blankenburg war eine Pionierin für Frauen in (fast) allen Bereichen der Musik. Sie hinterlässt eine junge Generation von aufstrebenden Dirigentinnen, Komponistinnen, Veranstalterinnen und Musikwissenschaftlerinnen, die deutlich leichter Musikfeste und Hochschulen erobern. Für sie alle hat diese große starke Frau die Wege geebnet.

Die Trauerfeier für Mascha Blankenburg fand am 25. März 2013 in Köln statt. Sie starb wie sie gelebt hat, nach vorne blickend und immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen.

Trackbacks

Keine Trackbacks

Kommentare

Ansicht der Kommentare: Linear | Verschachtelt

Noch keine Kommentare

Kommentar schreiben

Umschließende Sterne heben ein Wort hervor (*wort*), per _wort_ kann ein Wort unterstrichen werden.
Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss, um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA

BBCode-Formatierung erlaubt
Formular-Optionen