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Über das Unbequeme nachdenken, über das unbequeme Nachdenken - ?

Irgendwann im Leben beginnt bei jedem einmal das Nachdenken. Computertechnisch gesprochen ist das wie eine Autostart-Funktion. Da kann man nichts machen. Dummerweise hat uns der Herrgott keine Escape-Taste mitgegeben. Nun gibt es die einen, die in erster Linie darüber nachdenken, ob man die nächsten Ferien wieder auf Ibiza verbringt, oder doch lieber in Bangkok, oder - es ist gerade echt günstig für nur 199 Euro die Woche - in der »Dom Rep alles inkl.«

Über diesen Teil der Bevölkerung gibt es sicher viel nachzudenken,...
aber hier geht es um etwas anderes.
Gemeint ist der Punkt im Leben eines Menschen mit einem gewissen IQ und Bildungsgrad, an dem ihm die Lebenserfahrung unerbittlich einige Widersprüche zwischen realem und gefühltem Sein vor Augen führt. Das ist im Ergebnis kein wünschenswerter Zustand. Denn es ist doch recht unbequem, ständig die stahltrossendicken Haare in der Suppe des Lebens zu sehen. Schließlich geht man ja interessiert und offenen Auges durch diese wunderbarste aller Welten. Aber da lässt es sich nicht übersehen, dass sie an allen Ecken und Enden nicht so ist, wie man sie gern hätte.

Üblicherweise aktiviert sich die Nachdenk-Funktion etwa um die gefühlte Lebensmitte, also irgendwann ab 40 oder 45. Sie ist aber nicht zu verwechseln mit der Midlife Crisis. Natürlich ist es echt lästig, wenn der Denkprozess genau dann zur Hochform aufläuft, wenn gleichzeitig die Hormone signalisieren: Das Leben ist endlich, genug kopuliert, und überhaupt: alles muss einmal vorbei sein. Männer sind da dumm dran. Frauen kriegen das besser in den Griff. Sie könnten deshalb auch ungestörter nachdenken und folglich zu klügeren Erkenntnissen gelangen als wir Männer. Man hat auch ab und zu den Eindruck, dass dies tatsächlich so ist. Nur – das übersteigt dann unsere intellektuellen Fähigkeiten und wir verstehen die Frauen nicht. Was keine neue Erkenntnis ist.

Zurück zum Wendepunkt: Der Denkprozess setzt ein, erst schleichend nur, sporadisch wie ein Migräneanfall, dann öfter, meist so zwischen drei und vier in der Frühe, um dann schließlich in ein chronisches Stadium überzugehen. Da hat man was in der Zeitung gelesen, sich tierisch darüber aufgeregt und fragt sich, wie so etwas möglich ist. Es geht dann um Dinge wie die gnadenlose Umverteilung von Unten nach Oben, die wirtschaftshörigen Politiker, deren prä-senilen Sexismus, Waffengeschäfte und Kriegseinsätze, oder um Fernsehshows, die die galoppierende Verblödung der Massen zu einer Stampede werden lassen – kurz gesagt, es geht um politische Kriminalität, den alltäglichen Schwachsinn und eine offenbar gezielt betriebene Infantilisierung der Bevölkerung.

Nicht: Alle Macht geht vom Volke aus, sondern: Alle Macht geht dem Volke aus!
Gegenstand meines Nachdenkens ist dieser alarmierende Vorgang, der von den meisten nicht wahrgenommen und von einigen als gottgegeben angesehen wird. Ein Vorgang, der Fragen aufwirft: Wo geht sie hin, die Macht, zu wem und warum?

Schließlich mündet alles dies ein in die ultimative Frage: Darf man das so laufen lassen? Wer wie ich in den späten sechziger Jahren zum ersten mal George Orwells »1984« las und über den heutigen Stand der Technik informiert ist, dem ist eines klar: Die Realität hat diesen Klassiker der Science-Fiction Literatur mehrfach überrundet. Indes, die Welt unter den Augen des Grossen Bruders ist so grau und trist nicht, wie sie Orwell sah.

Wer sich heute für 199 von der Bank gepumpte Euro in der Dom Rep „all incl.“ in einer Woche den partiellen Hirntod ansaufen kann, der findet das grellbunte Leben aus zweiter Hand prima, das ihm der Bildschirm ins Haus bringt. Das Wort Flachbildschirm bekommt da irgendwie eine Doppelbedeutung.

Denken Sie mal drüber nach!

Noch unbequemer als das Nachdenken ist die unausweichliche Schlussfolgerung: Ändern wird sich nur dann etwas, wenn Du selbst damit anfängst!

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