Skip to content

Mosern ohne Hans

Hans Moser ist vielleicht der letzte echte "Grantler" gewesen. Während Sloterdijk die nette Kategorie des "Miserabilismus" und der "aufschwunglosen Haltungen" (also einer Art allgemeiner Dauer-Depression) gefunden hat, schwimmen wir täglich im Diskurs über den allgemeinen Unsinn.
"Unvernünftig", "irrational", "idiotisch". Trifft man auf der Straße einen relativ Unbekannten und kommt mit ihm in den small talk, so wird über die ganze flächendeckende Irrationalität geschimpft. In Kassel wird derzeit überall gebaut, ist das nicht idiotisch? Konnten die das denn nicht koordinieren? Ampelschaltungen? Eine Grausamkeit. Bei der Bahn gibt es doch sowieso nur Verspätungen. Kreuzung am Altmarkt? Jetzt wollen sie uns noch den letzten Spaß am Auto verderben. Überhaupt die Politiker, ach bleiben sie mir doch weg mit denen! Da kommt doch nichts Gescheites bei raus, wenn die nur den Mund aufmachen... Und wie die sich auf unsere Kosten bereichern! Öffentliche Verwaltung: Nichts als Verschwendung! Und dann noch Griechenland - jetzt zahlen wir mit unseren Steuergeldern auch noch faule Kandidaten. Und wissen sie, mein Nachbar, den vergessen sie mal lieber, der kann ja nicht mal dieTreppe putzen ...
Einwände sind zwecklos, etwa derart: Diese oder jene Baumaßnahme ist doch gut, oder: Die Politiker machen doch nicht immer alles falsch. Oder man frage: Wie hätten Sie denn die Baumaßnahmen koordiniert? Darauf gibt es natürlich keine Antwort.
Diese Unvernunft ist nämlich immer die Unvernunft der Anderen. (Geständnisse, man selbst habe dumm gedacht oder gehandelt, und Vorstellungen, wie man dies korrigieren könnte, wird man wohl nur heimlich und im Intimbereich und selten hören.) Es sieht so aus, als ob eigentlich das Gemosere der Gesellschaftskitt ist. Oder anders: Der perverse Lustgewinn, den man aus den Klagen und Beschwerden zieht, scheint der Beweis dafür zu sein, dass wir überhaupt 'in Gesellschaft' leben.
[Zusatz 25.7.: die "Leidenschaft der Klage"; "eine Lust an der Beschwerde, die alle übrige Lust auffrißt; die Sehnsucht, Opfer zu sein." (abermals Robert Pfaller)

Trackbacks

Keine Trackbacks

Kommentare

Ansicht der Kommentare: Linear | Verschachtelt

Noch keine Kommentare

Kommentar schreiben

Umschließende Sterne heben ein Wort hervor (*wort*), per _wort_ kann ein Wort unterstrichen werden.
Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss, um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA

BBCode-Formatierung erlaubt
Formular-Optionen